Von den Anfängen …
Als Friedrich Ludwig Jahn 1811 auf der Hasenheide in Berlin das Volksturnen begründete, entstand eine Bewegung, die sich rasch auch in Österreich ausbreitete.
Am 24. September 1866 veranstaltete der bereits gegründete Salzburger Turnverein in Hallein im ehemaligen „Pröllgarten" (bei der heutigen HTL) ein öffentliches Schauturnen. Dies begeisterte die Halleiner so sehr, dass sie die Turnidee sofort aufnahmen.
Schon am 7. Oktober 1866 fand im Gartensalon des Gasthauses Auböck die Gründungsversammlung statt. Nach der behördlichen Bewilligung der Vereinsgründung wurde in der ersten Generalversammlung der erste Vereinsvorstand mit Obmann Ferdinand Peintner gewählt. Schriftführer war Felix Gruber, der Sohn des „Stille Nacht"-Komponisten F.X. Gruber. Aber auch andere bedeutende Persönlichkeiten wurden Mitglieder, wie die nachmaligen Bürgermeister Alois Oedl, Johann Schöndorfer oder Benedikt Speckbacher.
Am 14. Juni 1867 wurde die erste, von Baronin Löwenstern gestiftete Vereinsfahne geweiht und übergeben. Diese befindet sich heute im Keltenmuseum Hallein.
Die Gründung der freiwilligen Feuerwehr geht auf Halleins Turner zurück …
1871 trug der Turnverein wesentlich dazu bei, dass in Hallein die freiwillige Feuerwehr gegründet wurde. Der damalige Turnvereinsvorstand Alois Oedl rief zu dieser wichtigen Initiative auf und es traten sofort 41 Männer des Turnvereines der Feuerwehr bei. Alois Oedl leitete auch die ersten Übungen der neuen Feuerwehr.
… ebenso wie der Turnunterricht in den Schulen …
Weiters regte der Verein am 18. November 1869 die Einführung des Turnens in den Schulen an. 1871 wurde der Turnunterricht an der Volksschule Hallein Pflichtgegenstand. Der bekannte Bergsteiger und Turner Ludwig Purtscheller kam zur Heranbildung von Vorturnern einmal wöchentlich nach Hallein.
Im Jänner 1900 konnte erstmals auch eine Frauen- und Mädchenriege aufgestellt werden.
1907 beging der Verein sein 40-jähriges Gründungsfest. Durch die Begeisterung von Turnwart Franz Zwang wurden Schülerriegen gegründet und 1909 zählte der Verein bereits 200 Mitglieder und 100 Schüler.
Die Zeit des Ersten Weltkrieges …
Der Erste Weltkrieg brachte einen schweren Einschnitt. 1914 wurde in der Schulturnhalle ein Notreservespital eingerichtet; der Turnbetrieb wurde am 25. März 1917 ganz eingestellt. 141 aktive Turner rückten ein, 28 von ihnen kamen nicht mehr zurück. Ihre Namen sind am Ehrendenkmal in der Turnhalle festgehalten.
1919 war es wieder möglich, den Turnbetrieb weiterzuführen.
Ein Meilenstein: Der Bau der vereinseigenen Turnhalle …
Beim 60-jährigen Bestandsfest 1926 zählte der Verein 600 Mitglieder und 200 Jugendliche. Im Juni 1927 nahm der Turnrat das Angebot an, das Haus in der Bräuerstraße 13 zur Turnhalle umzubauen. Frauen und Männer leisteten 2.500 freiwillige Arbeitsstunden. Im Juni 1929 konnte die neue Turnhalle mit einem großen Fest eingeweiht werden.
Die vereinseigene Turnhalle mit Spieth-Geräten – Blick von der Eingangsseite
Der Zweite Weltkrieg …
Die politischen Wirren ab 1933 brachten dem Verein schwere Beschränkungen. 1938 wurde der Verein zwangsweise dem NS-Reichsbund für Leibesübungen angeschlossen. Das Wort „zwangsweise" darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es innerhalb des Turnvereins keinen nachweislichen Widerstand gegen diese politische Vereinnahmung gab – die national orientierte Turnbewegung sympathisierte vielfach mit der nationalsozialistischen Ideologie, auch in Hallein.
Die Wiedergründung nach dem Krieg …
Nach Kriegsende wurde der Turnverein zunächst aufgelöst. 1951 bildeten ehemalige Mitglieder einen Ausschuss zur Wiedergründung. Am 23. Jänner 1952 trafen sich 126 ehemalige Turner und Turnerinnen im Gasthaus Scheicher zur neuerlichen Gründungsversammlung. Zum Obmann wurde einstimmig Dr. Roland Piernbacher gewählt.
Sein Grundsatz war, den Verein überparteilich zu führen und die Politik aus dem turnerischen Geschehen herauszuhalten. Es begann ein zäher Kampf um die Rückgabe der Turnhalle und des Vereinsvermögens.
So war der Mitgliederstand trotz aller Einschränkungen bereits am 4. Juni 1952 wieder auf 429 aktiv Turnende gewachsen. Das erste Weihnachtsschauturnen konnte im Scheichersaal am 6. und 7. Dezember 1952 mit großem Erfolg abgehalten werden – ein Höhepunkt, der bis heute Tradition ist.
1954: Die Turnhalle kehrt zurück in den Vereinsbesitz …
Im Jahr 1954 konnte die Rückerstattung des Turnhallengebäudes beim Verfassungsgerichtshof erwirkt werden. Der Verein wurde neu gegründet unter dem Namen „Halleiner Turnverein 1866", wie er bis heute heißt. Im November 1954 erhielt der Liquidator die Weisung, das Vereinsvermögen zu übergeben.
Mit Spenden, Subventionen und vielen freiwilligen Arbeitsstunden konnte die desolate Halle instand gesetzt werden. Am 29. und 30. Juni 1957 wurde das 90-jährige Bestandsfest mit Wettkämpfen, Festabend und einem großen Festumzug durch die Stadt gefeiert.
Die Turnhalle mit Stufenbarren, Wandstäben und Ringen – Blick von der gegenüberliegenden Seite
Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit, beginnend mit 1974 …
Nach dem Tod von Obmann Oskar Buchbauer 1974 übernahm Dr. Roland Piernbacher erneut die Führung und leitete Renovierungsarbeiten ein. Unter dem neuen Obmann Ing. Alfred Ziegler ab 1976 wurden Halle und Gymnasium durch einen großen Umbau erweitert – durch die Vereinigung der kleinen mit der großen Halle entstand ein fast normengerechter Turnsaal.
Nach dem Tod Zieglers 1995 übernahm Ingo Schönerer die Obmannstelle und führte den Verein durch finanziell schwierige Jahre. Bei der Jahreshauptversammlung 2003 übernahm ein junges Team unter Obmann Alfred Szabo und begann mit einer umfassenden Modernisierung – neues Dach (2004), neue Fenster, Generalsanierung der Halle (2005) und neue Sanitäranlagen (2012).
Am 20. April 2007 beschloss der Verein mit nur einer Gegenstimme den Austritt aus dem Österreichischen Turnerbund und bekannte sich damit zur Unabhängigkeit als moderner Sportverein.
Seit 2022 führt Hartmut Schwaiger den Verein als Obmann – und der HTV 1866 blickt mit Stolz auf über 150 Jahre Turngeschichte in Hallein.